Dr. Dagmar Wilsmann-Theis

Dermatologin, Venerologin, Allergologin und Ärztin für Naturheilverfahren aus Bonn

PSO Magazin: Sie leiten als Oberärztin die Psoriasis-Sprechstunde in der Universitätshautklinik Bonn. In dieser Funktion verschreiben Sie häufig Immunsuppressiva. Zudem sind Sie zuständig für klinische Studien, die heute häufig Biologika im Fokus haben. Während Ihres ärztlichen Werdegangs haben Sie aber auch die Zusatzausbildung „Naturheilverfahren“ absolviert. Schlagen da zwei Herzen in Ihrer Brust – auf der einen Seite die konventionelle moderne Medizin und auf der anderen Seite die Naturheilverfahren?

Dr. Wilsmann-Theis: Nein. Das eine schließt das andere überhaupt nicht aus. Im Gegenteil – beides ergänzt sich. Die Naturheilkunde nach Sebastian Kneipp besteht aus fünf Säulen. Jede Säule ist sehr geeignet für Psoriasispatienten.

PSO Magazin: Können Sie das näher erläutern?

Dr. Wilsmann-Theis: Eine Säule ist die Ordnungstherapie. Die ist für Psoriasis-Patienten besonders wichtig. Gemeint ist damit vieles, beispielsweise ein bewusster Lebensrhythmus. Er hilft, Ordnung zu finden. Was mache ich wann? Eine zweite Säule ist die Bewegungstherapie. Übergewicht spielt bei Menschen mit Psoriasis häufig eine Rolle. Deshalb ist Bewegung immer ein Thema. Auch die Säule Ernährungstherapie hat viel mit dem Thema Übergewicht zu tun. Dann gibt es noch die Hydrotherapie, das sind Wasseranwendungen. In diesen Bereich gehören beispielsweise auch Solebäder. Der letzte Bereich, die Phytotherapie oder Pflanzentherapie, ist für Menschen mit Psoriasis der kleinste Teil. Sie hilft nicht bei schweren Verläufen, aber sie kann unterstützen.

PSO Magazin: Sind die Patienten, die zu Ihnen in die Psoriasis-Sprechstunde kommen, eher skeptisch oder eher froh, wenn sie ein Immunsuppressivum verschrieben bekommen?

Dr. Wilsmann-Theis: Die meisten kommen sogar mit der Erwartung, hier in der Klinik ein Biologikum oder generell eine Systemtherapie verschrieben zu bekommen. Aber nicht für jeden ist es das richtige Medikament. Ich gehe aber auch gern mit Patienten, bei denen es hilfreich sein kann, neue Wege, indem wir beispielsweise verschiedene Therapien kombinieren. Dabei müssen Patienten auch immer über die Gefahren und die Notwendigkeit der engen Kontrollen aufgeklärt werden.

PSO Magazin: Haben Sie den Eindruck, dass niedergelassene Dermatologen inzwischen häufiger Biologika verschreiben?

Dr. Wilsmann-Theis: Es ist fühlbar mehr geworden, aber leider nicht genug. Ich kann das auch verstehen. Es ist ein hoher Aufwand, den Patienten richtig einzustellen, und das wird nicht entsprechend vergütet. Wir sollten die niedergelassenen Kollegen trotzdem noch mehr ins Boot holen.

PSO Magazin: An welcher Stelle?

Dr. Wilsmann-Theis: Viele der Patienten in der Bonner Klinik-Ambulanz sind gut auf eine systemische Therapie eingestellt. Sie könnten von den niedergelassenen Kollegen prinzipiell weiter betreut werden. Wir an der Uniklinik hätten dann mehr Kapazitäten, uns auf die Problemfälle zu konzentrieren.

PSO Magazin: Sind Sie deshalb für die Uniklinik Bonn auch im regionalen Psoriasis Netzwerk Bonn/Rhein-Sieg engagiert, um den Kontakt zu niedergelassenen Kollegen zu halten? In diesen Netzwerken sind Dermatologen und zum Teil auch Ärzte anderer Fachrichtungen zusammengeschlossen, tauschen sich aus, kooperieren mit weiteren Fachgruppen und organisieren Fortbildungen, um die Versorgung von Patienten mit mittelschwerer bis schwerer Psoriasis weiter zu verbessern.

Dr. Wilsmann-Theis: Natürlich ist der Kontakt zu den niedergelassenen Kollegen als unsere Zuweiser extrem wichtig. Da ist das Psoriasis-Netzwerk schon eine sehr gute Sache. Wir sind hier ein nettes und effektiv arbeitendes Team. Unsere Fortbildungen sind immer auch offen für Nicht-Mitglieder. Die nehmen das gern an. Ich habe Verständnis, wenn jemand Interesse hat, aber sich nicht binden möchte, hoffe aber dennoch auf Mitgliederzuwachs.

PSO Magazin: Was wünschen Sie sich für die Zukunft für die Versorgung der Psoriasis-Patienten?

Dr. Wilsmann-Theis: Da gibt es noch so viel, was man tun kann. Für die Patienten wünsche ich mir, dass sie mehr Mut haben und weniger Resignation. Für uns Mediziner wünsche ich mir mehr Einfühlungsvermögen, um Patienten besser zu verstehen. Das würde die Mitarbeit der Patienten bei ihrer Therapie fördern. Dazu wünsche ich mir für uns Dermatologen mehr Wissen, um eine Depression besser zu erkennen. Außerdem wünsche ich mir das, was sich die meisten wünschen, mehr Zeit für jeden einzelnen Patienten.

Interview entnommen aus PSO Magazin 2/2015