Prof. Dr. Joachim Barth

Dermatologe aus Borna bei Leipzig

PSO Magazin: Sie sind das Mitglied, das dem Wissenschaftlichen Beirat am längsten angehört – 24 Jahre. Vor elf Jahren führten wir das Interview mit Ihnen. Da Sie von 1996 bis 2000 auch dem Vorstand des DPB angehörten, fragten wir Sie damals nach Ihren wichtigsten Anliegen in der Selbsthilfearbeit.

Professor Barth: Damals war mir die Intensivierung der Beziehungen der Standesorganisationen zur Selbsthilfe sehr wichtig. Ich hatte mich mit meinem Vorstandskollegen PD Dr. Ekkehard Jecht dafür eingesetzt, für ein enges Verhältnis zum Berufsverband der Deutschen Dermatologen und auch zur Deutschen Dermatologischen Gesellschaft zu sorgen.

PSO Magazin: "Alle ziehen inzwischen an einem Strang", hatten Sie damals gesagt. Ist das heute immer noch so?

Professor Barth: Das ist im Wesentlichen immer noch so. Trotzdem wünschte ich mir mehr Kontinuität in den wechselseitigen Beziehungen.

PSO Magazin: Ihnen war es immer sehr wichtig, dass sich Ärzteschaft und Patienten auf Augenhöhe begegnen. Deshalb hatten Sie bereits im ersten Interview erwähnt, dass Sie sich erfolgreich für gemeinsame Fortbildungsveranstaltungen von Ärzten und Funktionsträgern des DPB eingesetzt haben.

Professor Barth: Das ist richtig. Diese Veranstaltungen gibt es nun seit 1999 regelmäßig bis heute. Um sich auf Augenhöhe begegnen zu können, müssen die Patienten gut informiert sein. Auch das ist ein wichtiges Anliegen von mir. Ich gehöre deshalb seit Jahren zur Redaktion des PSO Magazins und inzwischen ist Prof. Dr. Ulrich Mrowietz dazu gestoßen. Mit Prof. Dr. Wolf-Henning Boehncke und dem DPB-Geschäftsführer Hans-Detlev Kunz haben wir 2009 eine Fibel zur Lichttherapie der Psoriasis erarbeitet. Und 2013 wurde von uns die Patientenbroschüre komplett überarbeitet. Die Erkenntnisse zur Entstehung der Schuppenflechte, ihrer Begleiterkrankungen und zur Therapie haben in den vergangenen Jahren ganz enorm zugenommen, so dass die alte Broschüre nicht mehr auf dem neuesten Stand war. Doch bereits jetzt bedarf sie bald wieder einer Überarbeitung.

PSO Magazin: Der größte Erfolg, an dem Sie beteiligt waren, ist die Anerkennung der Schuppenflechte als gesundheitspolitisch wichtige, fünfte große, nichtinfektiöse Erkrankung durch die Weltgesundheitsorganisation (WHO) im Jahr 2014. Somit steht Psoriasis jetzt gleichberechtigt neben Atemwegserkrankungen, Diabetes, Herzkreislauf-Erkrankungen und Krebs. Alle WHO-Mitgliedsstaaten sind aufgefordert, in ihren Ländern mehr für die Betreuung der Psoriasis-Patienten und gegen das Stigma der Krankheit zu unternehmen.

Professor Barth: Für uns ist das wirklich eine tolle Sache. In jedem Fall hat der DPB daran einen großen Anteil durch seine aktive und engagierte Mitgliedschaft in den internationalen Verbänden Europso und International Federation of Psoriasis Associations (IFPA).

PSO Magazin: Sie waren von 2007 bis 2013 als Schatzmeister selbst Mitglied des IFPA-Vorstands und haben Ihren ganz persönlichen Anteil am Zustandekommen der WHO-Resolution Psoriasis.

Professor Barth: Das war ein hartes Stück Arbeit. Wichtig auf dem Weg dorthin waren auch die Weltkongresse der Psoriasis, von denen ich zwei – 2009 und 2012 – organisatorisch geleitet habe. 1.500 Teilnehmer waren es damals in Stockholm. Das war schon eine logistische Herausforderung. Für die WHO-Resolution haben wir ganz konkret aber auch richtige Lobbyarbeit in Genf betrieben. Hilfreich war dabei die Zusammenarbeit der IFPA mit der Internationalen Liga Dermatologischer Gesellschaften
(ILDS).

PSO Magazin: Das Netzwerken gehört scheinbar zu Ihren besonderen Fähigkeiten. Sie waren 2009 maßgeblich an der Gründung des regionalen Psoriasis-Netzes Leipzig/Westsachsen beteiligt.

Professor Barth: Es ist ein sehr aktives Netz und arbeitet eng mit der DPB-Regionalgruppe Leipzig zusammen. Die Initiative PsoNet ist gegründet worden, um die Qualität der Versorgung von Psoriasis-Patienten zu verbessern. Dazu arbeiten dermatologische Praxen und Kliniken eng zusammen. Das ist für mich die neue hohe Stufe einer qualitativ hochwertigen Psoriasis-Behandlung – oder wie man heute sagen würde: des Psoriasis-Managements.

PSO Magazin: Gab es seit dem letzten Interview auch negative Entwicklungen?

Professor Barth: Leider ja. Ich hatte mich seinerzeit sehr für die Einrichtung der Telefonberatung über das Modell der "Patientenberatung für Erkrankungen der Haut" (PBEH) eingesetzt. Das war nach dem Auslaufen des Modells der Krankenkasse von der Geschäftsstelle des DPB allein so nicht mehr zu leisten, wie wir das erhofft hatten. Die telefonische Beratung ist nun in die Unabhängige Patientenberatung einer privaten Kapitalgesellschaft übertragen worden. Diese Entwicklung bedauere ich sehr.

PSO Magazin: Als dienstältestes Mitglied des Wissenschaftlichen Beirats – wie bewerten Sie die Arbeit des Beirats?

Professor Barth: Die Ansprüche an den Wissenschaftlichen Beirat sind deutlich gewachsen. Die Forschungslandschaft ist differenzierter und breiter geworden, ebenso das Spektrum an Therapien. Durch das große Engagement des DPB auf gesundheitspolitischer Ebene müssen die Beiratsmitglieder immer wieder Expertisen formulieren und sind auch hier mehr gefordert.

Interview entnommen aus PSO Magazin 1/2016