Prof. Dr. Michael Sticherling

Dermatologe und Immunologe aus Erlangen

PSO Magazin: Sie sind leitender Oberarzt und stellvertretender Klinikdirektor der Hautklinik am Universitätsklinikum Erlangen. Welche Arbeitsschwerpunkte haben Sie?

Professor Sticherling: Unsere Klinik ist seit Jahren auf Hautkrebs spezialisiert. Ich bin für den anderen Schwerpunkt zuständig – also für chronisch entzündliche Krankheiten wie Psoriasis, Neurodermitis
und Kollagenosen.

PSO Magazin: Aber gerade um die Versorgung der Psoriasis-Patienten haben Sie sich in Erlangen sehr verdient gemacht. Sie haben dort die Autoimmunambulanz übernommen, die Psoriasis-Ambulanz ausgebaut und ein Psoriasis-Zentrum aufgebaut.

Professor Sticherling: Wie wichtig diese Einrichtungen sind, hatte ich schon während meiner Tätigkeit an der Universitätshautklinik Kiel kennengelernt. Dort habe ich auch die Autoimmunsprechstunde aufgebaut und als Oberarzt geleitet. Später bin ich nach Leipzig gegangen. Auch dort betreute ich die Psoriasis- und die Autoimmunambulanz.

PSO Magazin: Was macht speziell das Psoriasis-Zentrum in Erlangen?

Professor Sticherling: Das Zentrum betreut neben der Ambulanz tagesklinische und stationäre Patienten. Darüber hinaus bieten wir ambulante Schulungen für Psoriasis-Patienten an und führen klinische Studien rund um die Psoriasis durch. Auch Basisforschung wird hier betrieben. Und ein gut funktionierendes Netzwerk aus regionalen Kliniken und niedergelassenen Dermatologen in der Metropolregion Erlangen-Nürnberg haben wir inzwischen auch aufgebaut. Die Aktivitäten des Netzwerkes koordiniere ich als Vorsitzender.

PSO Magazin: Sie sind auch Mitglied im Wissenschaftlichen Beirat des DPB. Was reizt Sie an diesem ehrenamtlichen Engagement?

Professor Sticherling: Im DPB-Beirat lässt sich Netzwerkarbeit ausweiten: Informationen schneller und einfacher austauschen, neueste Entwicklungen auch auf gesundheitspolitischer Ebene schneller erfahren und manchmal ist der Beirat gefragt praktisch mit zu gestalten.

PSO Magazin: Was ist Ihrer Meinung nach die wichtigste Aufgabe des Psoriasis Bundes für die nächste
Zeit?

Professor Sticherling: Unsere Aufgabe wird es sein, die Psoriasis im Gespräch zu halten. In der letzten Zeit hat sich die Aufgeschlossenheit und das Wohlwollen in der Öffentlichkeit zwar gesteigert – auch durch Aktivitäten des Psoriasis Bundes – aber auf gesundheitspolitischer Ebene ist man den Belangen der Menschen mit Psoriasis nicht ausreichend gewogen.

PSO Magazin: Was sehen Sie für ein Ziel als Mediziner und Forscher? Was können Psoriasis-Patienten in der Zukunft erwarten?

Professor Sticherling: Ziel der Forschung muss es sein, möglichst bald die Psoriasis vollständig erklären zu können. Das kann aber noch viele Jahre dauern. Dann sollte man die Psoriasis nicht mehr nur symptomatisch behandeln, sondern auch heilen können. Zur kurzfristigen Entwicklung wird sicherlich gehören, dass die Psoriasis immer besser behandelbar sein wird. Die nächsten Jahre werden sicherlich neue, effektive und gut verträgliche Therapeutika bringen.

Interview entnommen aus PSO Magazin 5/2010