Prof. Dr. Swen Malte John

Dermatologe, Venerologe, Allergologe und Facharzt für Umweltmedizin und Berufsdermatologie (ABD) aus Osnabrück

PSO Magazin: Sie gehören zu den Wissenschaftlern, die den „Global Report of Psoriasis“ der Weltgesundheitsorganisation (WHO) federführend mit zu verantworten haben. Der Deutsche Psoriasis Bund hat die große Hoffnung, dass dieser Global Report von 2016 zusammen mit der WHO-Resolution von 2014 wirklich zu einer Verbesserung der Versorgungssituation führen wird.

Professor John: Ich hoffe das auch. Die WHA-Mitgliedstaaten tragen eine Verantwortung, damit die Umsetzung der Resolution gewährleistet wird. Unnötiges Leid kann verhindert werden, wenn Diagnosen korrekt und rechtzeitig gestellt werden. Dazu bedarf es einer guten Ausbildung nicht nur der Dermatologen, sondern auch des medizinischen Personals. Natürlich müssen die Psoriasis-Patienten ebenfalls umfassend beraten werden. Und letztlich gehört die Öffentlichkeit viel mehr aufgeklärt. Nur so kann eine soziale Stigmatisierung verhindert werden. Der Deutsche Psoriasis Bund beteiligt sich sehr intensiv an dieser
Aufklärungsarbeit. Vielen Dank dafür.

PSO Magazin: Auch Ihr Institut hat es sich zur besonderen Aufgabe gemacht, Informationen aufzubereiten und bereitzustellen. Das ist ungewöhnlich.

Professor John: Das ist das Besondere unserer Arbeit hier an der Universität Osnabrück. Unsere Abteilung heißt „Dermatologie, Umweltmedizin und Gesundheitstheorie“. Dort arbeiten nicht nur Mediziner, sondern auch Gesundheitspädagogen. Denn die Beratungen und Schulungen zu gesundheitsbewusstem Verhalten sind ein sehr wichtiges Element bei der Therapie von Hautkrankheiten. Für Ärzte allein ist dieses Thema zu groß.

PSO Magazin: Sie sind nicht nur der Leiter dieser Abteilung. Sie leiten ebenfalls das Institut für interdisziplinäre Dermatologische Prävention und Rehabilitation (iDerm) an der Universität Osnabrück.
Auch dort arbeiten Mediziner, Pädagogen, Psychologen und Ergotherapeuten zusammen. Zudem sind Sie Gründungsdirektor des Niedersächsischen Instituts für Berufsdermatologie (NIB). Sie gelten inzwischen als einer der renommiertesten Experten für berufsbedingte Hauterkrankungen weltweit und werden vielfach als Experte zu diesem Thema gefragt. Was ist die Herausforderung an die Berufsdermatologie?

Professor John: Ziel ist es immer, Wege zu suchen, um Menschen auch mit Hautkrankheiten an hautbelastenden Arbeitsplätzen zu halten und es ihnen zu ersparen, ihre berufliche Tätigkeit aufgeben zu müssen. Deshalb forschen wir immer weiter an Möglichkeiten zur Vorbeugung berufsbedingter Hauterkrankungen.

PSO Magazin: Bei Psoriasis-Patienten sind die berufl ich besonders belasteten Areale häufig die Handinnenflächen. Aber auch chemische Belastungen der Haut durch reizende Stoffe können eine Schuppenflechte verschlimmern. Da erscheint es schwierig, eine Lösung zu finden.

Professor John: Die Mehrzahl der berufsbedingten Entstehung oder Verschlimmerung von Psoriasisherden am Körper lässt sich heutzutage durch präventive Maßnahmen in den Griff bekommen.

PSO Magazin: Was muss ein Psoriasis-Patient tun, wenn er das Gefühl hat, dass seine Psoriasis durch die Arbeit ausgelöst oder verschlimmert wurde?

Professor John: Wichtig ist, sich so frühzeitig wie möglich in dermatologische Behandlung zu begeben. Wenn der Hautarzt einen beruflichen Zusammenhang erkennt, wird er die Unfallversicherung informieren. Anschließend sollte der Patient alle Möglichkeiten der Therapie, einschließlich einer stationären Maßnahme zur Rehabilitation, wahrnehmen. Und er sollte sich natürlich umfassend informieren, schulen und beraten lassen.

Interview entnommen aus PSO Magazin 4/2017