Dr. Sandra Philipp

Dermatologin und Forscherin aus Berlin

PSO Magazin: Sie leiten im Psoriasis Forschungs- und Behandlungszentrum der Klinik für Dermatologie, Venerologie und Allergologie in der Charité Berlin das Psoriasis Studienzentrum. Was machen Sie dort?

Dr. Philipp: In einem Team von sieben Mitarbeitern überprüfen wir mit Probanden die Wirksamkeit von neuen Medikamenten, die kurz vor der Zulassung stehen. Der andere Schwerpunkt des Forschungs- und Behandlungszentrums beschäftigt sich mit Grundlagenforschung. Darum kümmert sich meine Kollegin Dr. Kerstin Wolk.

PSO Magazin: Sie leiten auch die Psoriasis-Sprechstunde in der Charité. Finden Sie dort die Freiwilligen für die Medikamentenstudien? Sprechen Sie die Patienten einfach an?

Dr. Philipp: Nein. Aus dieser Sprechstunde kommen die wenigsten Probanden. Die Patienten, die wir dort behandeln, haben häufig zusätzlich viele Begleiterkrankungen, und da setzen wir meist lieber Standardtherapien ein.

Für die Forschung existiert eine Datenbank mit Probanden, die generell an einer Studienteilnahme interessiert sind, des Weiteren arbeiten wir mit niedergelassenen Kolleginnen und Kollegen zusammen und veröffentlichen Aufrufe im Internet und in Zeitungen.

PSO Magazin: Wie viel Patienten benötigen Sie für eine Studie?

Dr. Philipp: Das ist ganz unterschiedlich. Oft sind es um die 20 bis 30 Patienten. Bei seltenen Formen wie der Psoriasis palmoplantaris oder Psoriasis Pustulosa oder auch bei schwerer Psoriasis bei Kindern gibt es manchmal nur drei Probanden. Insgesamt behandeln wir pro Jahr rund 150 Patienten in Studien.

PSO Magazin: Was reizt die Patienten daran, an Studien teilzunehmen? Es existiert doch immer auch ein Risiko.

Dr. Philipp: Das Risiko ist relativ gering, denn die Medikamente, die wir in klinischen Studien untersuchen, befinden sich meist in der Endphase vor der Zulassung. So haben beide Seiten einen Vorteil. Wir Forscher erhalten wichtige Daten und die Probanden werden intensiver betreut. Sie haben beispielsweise zwischendurch viele Sicherheitsuntersuchungen. Darüber hinaus können  Patienten durch die Teilnahme an einer Studie teilweise schneller eine bestimmte Behandlung, beispielsweise mit einem Biologikum erhalten. Normalerweise dürfen Ärzte diese ja erst als dritte oder vierte Option verschreiben.

PSO Magazin: Haben Patienten mit Psoriasis demnächst mit neuen Zulassungen zu rechnen?

Dr. Philipp: Ja. Da ist einiges bereits kurz vor dem Abschluss. Natürlich gibt es immer noch viele Entwicklungen im Bereich der Biologika. Darüber hinaus läuft der Patentschutz für einzelne zugelassene Präparate bald aus, so dass in diesem Bereich wirkstoffgleiche Kopien, die so genannten Generika, zu erwarten sind. Aber auch die Forschung an kleinmolekularen Substanzen wird fortgesetzt.

PSO Magazin: Was sind kleinmolekularen Substanzen?

Dr. Philipp: Das sind chemisch hergestellte Substanzen, vergleichbar dem Ciclosporin oder der Fumarsäure. Hier liegt der Unterschied beispielsweise zu den Biologika. Diese sind Eiweiße. Der Vorteil von kleinmolekularen Substanzen ist, dass bei ihnen nicht das Risiko zur Antikörperbildung besteht, wie es bei den Biologika der Fall sein kann. Dort reagiert der Körper manchmal auf die Fremdeiweiße. Außerdem können kleinmolekulare Substanzen geschluckt werden. Man muss sie nicht spritzen.

PSO Magazin: Was ist Ihr Traum als Forscherin?

Dr. Philipp: Der deckt sich mit dem Traum jedes Psoriasis-Patienten. Wir wünschen uns, dass es irgendwann gelingt, Präparate zu entwickeln, die gezielt nur auf die Schuppenflechte wirken und wenig unerwünschte Nebenwirkungen haben. Wir träumen davon, dass wir dem Patienten nur noch Blut abnehmen müssten, um zu erkennen, welches Präparat bei ihm wirken wird. Es gibt zum Glück heute ja bereits eine ganze Menge unterschiedlicher Therapiemöglichkeiten, aber die Wirkung und die Verträglichkeit bekommen wir zurzeit nur über die Anwendung heraus. Und das ist oftmals sehr frustrierend für die Patienten, die nach drei bis vier Monaten ein Medikament dann wieder absetzen müssen und mit einem neuen Wirkstoff von vorne anfangen.

PSO Magazin: Was war Ihre Motivation, sich in den wissenschaftlichen Beirat des Deutschen Psoriasis-Bundes berufen zu lassen?

Dr. Philipp: Wir Forscher können allein nichts machen. Es ist wichtig für uns, einen sehr direkten Kontakt zu den Patienten zu haben. Ich erhoffe mir, dass wir im DPB gegenseitig voneinander lernen können. Ich bin schon sehr gespannt auf die Fragen und Wünsche, die von den Mitgliedern des Deutschen Psoriasis Bundes kommen werden. Natürlich ist mir aber auch der Austausch mit den Kollegen im Wissenschaftlichen Beirat wichtig.

PSO Magazin: Sie sind zurzeit die einzige Frau im Wissenschaftlichen Beirat. Ist die Behandlung der Psoriasis eine Domäne der Männer?

Dr. Philipp: Nein, so ist es nicht. Die Frauen sind im Kommen. Sie sind in der Forschung meiner Meinung nach gleich gut vertreten. Mir fallen da beispielsweise gleich mehrere Kliniken ein, in denen Frauen die Psoriasis-Sprechstunden leiten: Köln, Göttingen, Lübeck oder Dresden. Doch bis Frauen in den höheren Positionen ankommen, ist es – wie überall – ein langer Weg.

Interview entnommen aus PSO Magazin 5/2013