PD Dr. Andreas Körber

Dermatologe und Allergologe aus Essen

PSO Magazin: Wer sich die Karte des Psoriasis-Netzes von Deutschland anschaut, dem fällt die große Beteiligung in der Region rund um Essen auf. Sie haben dieses Netzwerk aufgebaut und sind Ansprechpartner für die Region Ruhr. Wie ist es dazu gekommen?

Dr. Körber: Seit 2007 gibt es die Regionalen Psoriasisnetze (PsoNet). Das sind Zusammenschlüsse von Ärzten einer Region, die sich über die Versorgung von Menschen mit Psoriasis austauschen und fortbilden. Dabei orientieren sie sich an festgelegten Behandlungsleitlinien. Ich habe 2011 damit begonnen, das Netz Ruhr aufzubauen. Letztlich hat uns im Klinikum Essen unsere Notlage dazu gebracht, aktiv zu werden.

PSO Magazin: Das klingt ja dramatisch. Was war das für eine Notlage?

Dr. Körber: Die Hautarzt-Praxen schickten uns immer mehr Patienten in die ambulante Psoriasis-Sprechstunde, die ich seit 2009 leite. Uns war klar, dass es irgendwann zu viele werden, wenn wir nichts tun.

PSO Magazin: Was haben Sie getan?

Dr. Körber: Wir haben hier ein Netzwerk aufgebaut, das aus einem Dreieck aus Klinik, niedergelassenen Fachärzten und auch einzelnen Hausärzten aufgebaut ist. Psoriasis ist eine systemische Entzündungserkrankung, mit der zahlreiche Begleiterkrankungen einhergehen können: Psoriasis-Arthritis, Diabetes Mellitus, Herz-Kreislauf-Probleme, Übergewicht. Der Netzwerk-Dermatologe kennt diese Zusammenhänge und behält seine Patienten auch im Hinblick auf diese Erkrankungen im Blick. Bei Bedarf überweist er sie zu entsprechenden Fachärzten. Auf der anderen Seite fehlt ihm oft die Zeit oder bei einzelnen Patienten das Wissen, eine Systemtherapie mit z.B. einem Biologikum vorzunehmen oder den Patienten in eine Studie aufzunehmen. Patienten, die diese benötigen, schickt er zu uns in die Klinik-Ambulanz. Wir übernehmen das Einstellen auf das Medikament. Für erforderliche Blutuntersuchungen im Laufe der Therapie kann der Patient dann auch zum Hausarzt überwiesen werden. Zudem sind zwischen den Netzwerk-Ärzten die Behandlungsschritte abgestimmt, weil sich alle nach der empfohlenen Leitlinie richten. Überall wird gleich behandelt, es gibt kein „Kuddelmuddel”.

PSO Magazin: Das klingt nach sehr viel Aufklärungs- und Koordinations-Arbeit.

Dr. Körber: Das ist es auch. Die richtigen Strukturen für die Kooperation mussten erst gefunden und geschaffen werden. Ich kann die Vorträge schon fast nicht mehr zählen, die ich in den letzten drei Jahren vor Ärzten in der Region gehalten habe. Dazu bieten wir jedes Quartal für die Mitglieder unseres Netzwerkes einen Qualitätszirkel an und veranstalten Fortbildungen.

PSO Magazin: Wie viele niedergelassene Kollegen beteiligen sich zur Zeit im Netz Ruhr?

Dr. Körber: Es sind 25. Natürlich sind nicht alle gleich stark aktiv. Aber wir sind schon ein sehr vitales Netz.

PSO Magazin:  Das Psoriasis-Netz ist eine sinnvolle Sache zum Wohle des Patienten. Um gut zu funktionieren braucht es aber immer einen Motor, wie Sie es in der Region Essen sind.

Dr. Körber: Es läuft nur, wenn man mit Herzblut bei der Sache ist. Viel besser wäre es natürlich, wenn es für die Psoriasis auch ein einheitliches Chronikerprogramm wie beispielsweise für Diabetes mellitus oder Koronare Herzerkrankungen geben würde. Da sind die Behandlungsabläufe verbindlich geregelt und werden auch entsprechend vergütet. Aber ich glaube nicht, dass das für die Psoriasis zeitnah kommen wird. Deshalb werden wir diese regionalen Lösungen verstärkt brauchen.

PSO Magazin: Sie sind ein richtiger Praktiker. Da bleibt sicherlich kaum noch Zeit für Forschung.

Dr. Körber: Tatsächlich habe ich früher etwas mehr Zeit für die Wissenschaft gehabt, und unter anderem im Bereich der Wundheilung geforscht. Heute betreue ich vor allem Forschungen, die im Rahmen der Prüfung eines Medikaments vor der Zulassung durchgeführt werden. Dazu kommen klinisch-wissenschaftliche Projekte im Zusammenhang mit verschiedenen Medikamenten wie Fumaderm oder Biologika. Aktuell arbeiten wir zudem an einem relativ neu entdeckten Entzündungs-Vermittler HMGB1. Aber letztlich bin ich kein Labormensch. Ich halte es für mich für ebenso wichtig, an Strukturen zu arbeiten, die eine optimale Behandlung der Psoriasis-Patienten ermöglichen und klinisch wissenschaftliche Fragestellungen zu bearbeiten.

Interview entnommen aus PSO Magazin 4/2014