PD Dr. Susann Patschan

Rheumatologin aus Brandenburg (vorher Göttingen bis 2017)

PSO Magazin: Der Deutsche Psoriasis Bund freut sich, dass Sie als Rheumatologin den Wissenschaftlichen Beirat verstärken. Seit längerem ist bekannt, wie wichtig die Zusammenarbeit von Dermatologen und Rheumatologen bei der Diagnostik und Therapie der Psoriasis-Arthritis sein kann. Sind Sie mit der Kooperation dieser zwei Fachbereiche vertraut?

Dr. Patschan: Ja, ich bin damit sehr gut vertraut. In der Klinik für Nephrologie und Rheumatologie der Universitätsmedizin Göttingen betreiben wir eine große Tagesklinik mit der Dermatologie zusammen. So können wir Probleme auf kurzem Dienstweg gemeinsam bearbeiten. Wir Rheumatologen haben auch gemeinsame Veranstaltungen mit den Dermatologen. Das ist eine sehr gelungene Vernetzung.

PSO Magazin: Dann war der Weg für Sie in den Wissenschaftlichen Beirat des Psoriasis Bundes gar nicht so weit.

Dr. Patschan: So ist es. Prof. Dr. Michael Schön, der Leiter der Dermatologie hier in Göttingen, gehört dem Beirat seit vielen Jahren an. Er kennt meine klinische Arbeit und hat mich vorgeschlagen. Ich habe gern zugesagt.

PSO Magazin: Bevor Sie vor zehn Jahren nach Göttingen kamen, waren Sie in der Rheumatologie schon weit herumgekommen. Wo waren Ihre Stationen?

Dr. Patschan: Nach meinem Studium der Medizin an der Humboldt-Universität in Berlin war ich an der Rheumatologie der Charité tätig, anschließend an der Klinik für Nieren- und Hochdruckkrankheiten der Universitätsmedizin Essen. Dann ging ich die USA an das Renal Research Institute ins New York Medical College. 2007 kam ich zurück und begann meine Arbeit an der Klinik für Nephrologie und Rheumatologie der Universitätsmedizin Göttingen.

PSO Magazin: Hat sich in diesen letzten zehn Jahren in Ihrer Klinik viel verändert?

Dr. Patschan: Auf jeden Fall. Ich sagte ja bereits, dass es hier eine Tagesklinik gibt, in der Rheumatologen und Dermatologen eng zusammenarbeiten. Sie gibt den Patienten die Möglichkeit, neben ihrem normalen Alltag die umfassenden klinischen Möglichkeiten der Diagnostik und Therapie zu erhalten, ohne dass sie stationär aufgenommen werden müssen. Das ist für den Therapieerfolg oftmals besser als eine stationäre Aufnahme.

PSO Magazin: Wieso ist das besser?

Dr. Patschan: Es ist nicht so leicht, Befunde zu besprechen, wenn ein Mensch mit einem Nachthemd im Bett liegt. Dann fühlt er sich nicht auf Augenhöhe mit dem Arzt. Eine vernünftige Aufklärung über die Untersuchungsergebnisse ist aber wichtig. Sie ist die Therapievor-aussetzung. Denn nur, wer seine Diagnose richtig versteht, hat auch ein Einsehen in die Notwendigkeit seiner Therapie und arbeitet gegebenenfalls besser mit.

PSO Magazin: Bei schweren Schüben haben Sie aber auch die Möglichkeit zu einer vollstationären Aufnahme.

Dr. Patschan: Selbstverständlich. Wir sind zudem spezialisiert auf die Diagnostik und Behandlung von seltenen Systemerkrankungen wie Kollagenosen* und Vaskulitiden**. Wir verfügen über ein eigenes
zertifiziertes Rheumalabor, in dem spezifische Blutuntersuchungen erfolgen können. Daneben gibt es eine Ergo- und Physiotherapie. Die kann sowohl von stationären Patienten als auch von Patienten der Tagesklinik genutzt werden. Zudem haben wir eine rheumatologische Spezialambulanz und die Kooperation mit einer Rehabilitationsklinik in Bad Sooden-Allendorf. Das ist eine Rundumversorgung, die die Rheumatologie in Göttingen so speziell macht.

PSO Magazin: Im Bereich der Forschung leiten Sie eine Arbeitsgruppe, die sich mit Endothelialer Dysfunktion und Regeneration beschäftigt. Was ist das?

Dr. Patschan: Wir untersuchen Mechanismen der Gefäßschädigung bei rheumatischen Erkrankungen. Heute weiß man, dass ein erwachsener Organismus in der Lage ist, Blutgefäße zu reparieren und sogar neu zu bilden. Früher dachte man, dass das nur bei Kindern möglich ist. Bei einer Entzündung zirkuliert mehr Blut und dafür braucht der Körper mehr Blutgefäße. Wir untersuchen aktuell die Vorläuferzellen, aus denen sich im Verlauf neue Blutgefäße bilden. Die heißen endotheliale Vorläuferzellen. Wir haben in unsere Untersuchung auch die Betrachtung der Psoriasis-Arthritis und der
Psoriasis vulgaris mit einbezogen. Die Ergebnisse stehen aber noch aus.

PSO Magazin: Lassen sich aus dieser Studie mögliche neue Therapien ableiten?

Dr. Patschan: Nein. Das sind Grundlagenstudien. Wir messen und beobachten. Unsere Studienabteilung führt aber auch klinische Studien zu neuen Therapeutika durch. Wir können unseren Patienten neue und innovative Behandlungen anbieten. Wir haben da viel Erfahrung. Es macht sehr viel Spaß, in diesem Team zu arbeiten.

PSO Magazin: Was sind Ihre nächsten Ziele?

Dr. Patschan: Mein Mann und ich werden Göttingen verlassen und an die Medizinische Hochschule Brandenburg wechseln. Mein Mann wird dort die Klinik für Nephrologie aufbauen und ich werde das universitätseigene Medizinische Versorgungszentrum leiten. Mein Mann und ich freuen uns darauf, die Rheumatologie in Brandenburg weiterzuentwickeln und die Erfahrungen aus Göttingen einzubringen.

* Krankes Bindegewebe
** Vaskulitis: entzündliche Erkrankungen der Blutgefäße

Interview entnommen aus PSO Magazin 3/2017